Was heisst überhaupt

Minimalismus

Im Netz findet man viele verschiedene Definitionen von Minimalismus. Für einige ist es eine Lebensphilosophie, für andere ein schöner Wohntrend. Helle Farben, klare Linien und möglichst viele freie Flächen. Auf Instagram sieht man viele aufgeräumte Räume, Wände in Creme- und Beigetönen, kaum etwas steht herum. Die Einrichtung wirkt ruhig, hochwertig und dezent. Für manche ist das ein Ausdruck von Luxus.

Auf TikTok gibt es Videos mit Titeln wie „So lässt du dein Zuhause teuer aussehen“ und meistens sieht man am Ende ein sehr minimalistisches Zimmer. Doch für viele Minimalisten ist genau das schwierig, weil der Trend dem Minimalismus ein Stück seiner ursprünglichen Bedeutung nimmt und daraus ein neues Konsumfeld entsteht.

Wenn man bei Amazon nach Minimalismus sucht, findet man unzählige Boxen, Dosen und Ordnungssysteme in genau diesen Farben. Alles wird sortiert, beschriftet und eingeordnet, oft mit Dingen, die erst neu gekauft wurden. So wird aus einem reduzierten Lebensstil schnell ein Anspruch an den perfekten Look, für den man erst einmal wieder viel anschaffen muss.

Ob man das kritisch sieht oder nicht, bleibt jedem selbst überlassen. Ich nehme mir, wie so oft, die Dinge heraus, die zu meinem Leben passen. Ich habe auch Kisten, die mir helfen, Ordnung in meine Schränke zu bringen. Für Stifte, Büroartikel, Servietten oder Vorräte. Nudeln, Reis, Quinoa – alles hat seinen Platz. Das macht es für mich übersichtlicher und hilft mir, Ordnung immer wieder leicht herzustellen. Manche Kisten habe ich neu gekauft, manche schon seit vielen Jahren und andere habe ich auf dem Sperrmüll gefunden.

Aber ich schweife ab. Wie ich den Minimalismus konkret bei mir zu Hause umsetze, teile ich ausführlicher in meinem Blog. Schau da mal vorbei!

Zurück zur Definition: Wie würden Minimalisten ihre Art zu leben beschreiben?
Die Wahrheit ist: Es gibt nicht den einen richtigen Minimalismus.

Minimalismus ist, ähnlich wie Neurodivergenz, ein Spektrum. Es gibt Menschen, die ihr Zuhause auf ein absolutes Minimum reduzieren, weil sie darin Erfüllung finden. Andere konzentrieren sich auf einzelne Bereiche, zum Beispiel ihren Kleiderschrank und haben eine sogenannte Capsule Wardrobe – also eine kleine, gut kombinierbare Auswahl an Kleidung.

Und dann gibt es die, die einen Mittelweg gehen. Die weiterhin konsumieren, aber bewusster. Die Dinge wählen, die sie wirklich nutzen oder die ihnen Freude machen.

Auch Menschen mit vielen Hobbys können minimalistisch leben – selbst wenn sie dafür eine gewisse Menge an Dingen brauchen.

Was sie alle verbindet: die Suche nach mehr Ruhe und Leichtigkeit im eigenen Leben.

Und genau so bin auch ich zum Minimalismus gekommen.

Wie alles begann

Nach der Geburt unseres dritten Kindes rutschte ich in einen ADHS-Burnout. Damals wusste ich nicht einmal, dass es so etwas gibt – geschweige denn, dass ich selbst ADHS habe. Es kam nicht plötzlich. Es war kein eindeutiger Moment, an dem einfach nichts mehr ging. Es waren viele Tage und Nächte, in denen ich mich alleine, unverstanden und überfordert fühlte mit all den Aufgaben in meinem Leben.

Ich war immer eine „Macherin“. Ich habe angepackt, durchgezogen, funktioniert. Doch im Winter 2022 ging das plötzlich nicht mehr. Mein Körper erstarrte. Und ich war nicht mehr in der Lage, die einfachsten Dinge zu erledigen. Emotional und körperlich fühlte ich mich leer. Ich hatte nicht nur meine Energie verloren, sondern auch mein Lachen und meine Lebendigkeit. Und das war vermutlich das Schlimmste daran.

An einem Nachmittag lag ich mit unserem Baby stillend im Bett. Mein Blick ging durch das Zimmer. Weiße Wände mit dunklen Flecken, offene Schränke, Kleidung und Dinge im Überfluss. Zeug in jeder Ecke. Und allein der Gedanke an das, was sich in den geschlossenen Schränken befand, ließ meinen Magen eng werden. Ich erwischte mich bei dem Gedanken, alles zurücklassen zu wollen. Nur das Nötigste in einen Koffer zu packen und an einem anderen Ort neu anzufangen. Diese Vorstellung fühlte sich leicht an. Frei.

Denn leicht und frei hatte ich mich schon lange nicht mehr gefühlt. Ich war gefangen in einem Leben voller Aufgaben und Pflichten – und in der ständigen Angst, dem allem nicht gerecht zu werden.

Dieser Gedanke an einen Neuanfang ließ mich nicht mehr los. Und so bin ich auf den Minimalismus gestoßen. Die Vorstellung, nur noch so viel zu besitzen, wie man wirklich zum Leben braucht, hat mich sofort gepackt. Weniger besitzen bedeutete für mich: weniger Aufgaben, weniger Dinge, um die ich mich kümmern muss. Weniger Mental Load, weniger Reize – und stattdessen mehr Ruhe und Entlastung.

Und so kam es dann auch. Nach vielen langen Gesprächen mit meiner Familie wagten wir einen mutigen Schritt und starteten gemeinsam ins Abenteuer Minimalismus. Am Ende haben wir nicht nur mehr als die Hälfte unserer Dinge abgegeben, sondern auch unser Auto verkauft und unsere Drei-Zimmer-Wohnung gekündigt – um fortan zu fünft auf 40 m² in einer Einzimmerwohnung zu leben. Und das war sicher nicht das Ende - es war der Beginn einer wunderbaren Reise. Möchtest du mehr erfahren? Dann schau in meinem Blog vorbei!